RAUMdurchKUNST Ausstellungen Galerie in Sindelsdorf Kunst im Blauen Land Live Musik in Oberbayern

Kerstin Brandes I Malerei

Werke in Öl auf Leinwand

Akt - und Tuschezeichnungen

Foto:  © Stefan Rosenboom

Zwischen Linie, Körper und Raum 

Kerstin Brandes entwickelt ein künstlerisches Werk, das sich konsequent zwischen Landschaft, Figur und zeichnerischer Souveränität bewegt. Die hier gezeigte Auswahl konzentriert sich auf ihre großformatige Landschaftsmalerei sowie auf feine, nuancierte Akt - und Tuschezeichnungen.
Ihre Ausbildung zur Modedesignerin bildet früh ein präzises Fundament für das Verständnis von Körper, Proportion und Bewegung im Raum. Nach Jahren selbständiger Tätigkeit und einem Aufenthalt in den USA erweitert sie ihr künstlerisches Spektrum durch ein intensives Studium der Malerei und Zeichnung am Art Alliance Center sowie am College of the Mainland in Texas. Dort entstehen die Grundlagen für ihre kraftvolle, häufig großformatige, stark figurative und zugleich landschaftlich geprägte Bildsprache. 

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Kaltenbrunn I Öl auf Leinwand I 103 x 154 cm I mit Rahmen I 2024

Ausgehend von einer handwerklich fundierten, zunächst gegenständlichen Auffassung von Natur hat Brandes ihre Malerei zunehmend aufgebrochen. Ihre Landschaften entwickeln sich aus gestischen, farbintensiven Flächen, die weniger beschreiben als vielmehr andeuten. Farbe wird dabei zum eigenständigen Akteur: Sie strukturiert den Raum, setzt Akzente und eröffnet Tiefe. Es entstehen Bildräume, die zugleich vertraut und fremd wirken – Landschaften, die sich nicht festlegen lassen, sondern sich im Prozess des Betrachtens immer wieder neu formieren. 

Der Entstehungsprozess bleibt in vielen Arbeiten bewusst sichtbar. Überlagerungen, Korrekturen und gezielte „Störungen“ durchbrechen die malerische Geschlossenheit und verhindern eine allzu eindeutige Lesart. Gerade darin liegt eine zentrale Qualität ihrer Landschaftsmalerei: Sie behauptet keine endgültige Form, sondern bleibt offen und fragend. Das Unfertige und Suchende wird nicht kaschiert, sondern als wesentlicher Teil des Bildes zugelassen. 

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Eine besondere Rolle spielen ihre Zeichnungen auf Packpapier und anderen einfachen Bildträgern. In diesen Arbeiten entstehen Aktstudien und figurative Skizzen, die die Materialität des Untergrunds bewusst einbeziehen. Das grobe, braune Papier bleibt sichtbar und wird integraler Bestandteil der Bildwirkung. 
Foto: Akt 2 I Acryl und Kohle auf Papier I 52 x 32 cm I 
mit Rahmen und Glas

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Schraffuren, schnelle Linien und Verdichtungen erzeugen Räume, aus denen Figuren hervortreten, ohne sich vollständig zu lösen. Der zeichnerische Prozess bleibt stets nachvollziehbar – als unmittelbare Spur des Sehens und Suchens. 

Brandes verbindet kontrollierte malerische Setzungen mit gestischen, teils eruptiven Eingriffen. Farbflächen treffen auf fragile Körperformen, Landschaftselemente lösen sich in abstrakte Zonen auf und verdichten sich erneut zu räumlichen Andeutungen. Foto: Akt 1 I Acryl und Kohle auf Papier I 60 x 50 cm I mit Rahmen und Glas

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So entstehen Bildräume, die sich einer eindeutigen Deutung entziehen und den Betrachter in einen offenen, vielschichtigen Wahrnehmungsprozess hineinziehen. Foto: Drawing 1 I Tusche auf Papier I 12 x 17 cm I mit Rahmen, Passepartout und Glas

Kerstin Brandes I Biographisches

Kerstin Brandes lebt und arbeitet als Malerin, Zeichnerin, Fotografin und Kostümbildnerin in Gmund. Ihr künstlerischer Werdegang verbindet ein fundiertes gestalterisches Handwerk mit internationalen Erfahrungen und einer kontinuierlichen Erweiterung ihrer Ausdrucksformen. Nach ihrer Ausbildung zur Modedesignerin (1991–1994) war sie mehrere Jahre selbständig in diesem Bereich tätig. Ein entscheidender Impuls folgte mit ihrem Aufenthalt in Houston, U.S.A. (2001–2004), wo sie am Art Alliance Center und am College of the Mainland ihre künstlerische Ausbildung vertiefte. Schwerpunkte waren unter anderem Öl- und Aquarellmalerei, Fotorealismus, Aktzeichnen sowie Design, Druck und Radierung. 

Zurück in Deutschland (ab 2004) ergänzte sie ihre Praxis durch Studien und Seminare bei verschiedenen Künstlern, darunter Jess Walter, Silke Blomeyer und Stefan Heide. Parallel arbeitete sie im Eventmanagement, bevor sie ab 2011 freischaffend in den Bereichen Malerei, Fotografie und Kostüm tätig wurde. Weitere internationale Erfahrungen sammelte sie während ihrer Zeit in Shanghai (2013–2016), wo sie als Fotografin mit einer amerikanischen Kunsthistorikerin für die Kunstmagazine Randian und Yishu arbeitete und eines längeren Aufenthalts in Singapur (2019). Seit 2025 arbeitet sie in ihrem Atelier in Gmund am Tegernsee. 


Kerstin Brandes stellt seit 2003 regelmäßig aus. Ihre Arbeiten waren in zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen zu sehen, unter anderem im College of the Mainland in Texas, im Kunstkreis Hausham, bei Kultur im Oberbräu in Holzkirchen, in der Galerie „Atelier am See“ in Schliersee sowie im Kulturzentrum Waitzinger Keller in Miesbach. 

Neben ihrer freien künstlerischen Arbeit war sie an Kostümprojekten für deutsche, schweizer und japanische Theaterproduktionen beteiligt und ist kulturjournalistisch für KulturVision e.V. tätig. Aktuell studiert sie Kulturwissenschaften mit den Schwerpunkten Geschichte und Philosophie.