Anja Steinhauer

Holzbildhauerin

"... die fertige Skulptur im Holz bereits sehen - es muss das unnötige und überflüssige weggeschlagen werden um die Skulptur freizulegen." 

Die aus Olivenholz, Lindenholz, Eiche oder auch Eibe gearbeiteten Skulpturen der Holzbildhauerin Anja Steinhauer bestechen durch ihre puristische Ästhetik, durch die Klarheit der Form und durch Oberflächen, die zum Berühren einladen. Die natürliche Patina des Holzes, die feine Maserung und Wärme des natürlichen Materials verleihen den Objekten sinnliche Strahlkraft. Anja Steinhauer arbeitet in Formaten von 30 cm bis 100 cm und schöpft ihren Formenschatz aus weichen organischen Figuren, die mal im Abstrakten bleiben, mal Gefühltes in Form gießen oder figurative Elemente - , eine Welle, eine Barke, einen stilisierten Kopf, einen Körper oder eine Muschel – aus dem Holz heraustreten lassen.


Ihr Kernthema ist die Auseinandersetzung mit der Natur in ihrer Schroffheit und zerstörerischen Kraft ebenso wie in ihrer unendlichen Vielfalt und Kraft gebenden Sanftheit. Der schöpferische Prozess beginnt mit dem „Erkennen“ der Form, des Charakters und der Schönheit des Rohmaterials. Konsequenterweise verzichtet Anja Steinhauer auf das Leimen und arbeitet aus dem gewachsenen Stamm des Holzes heraus. Sie lässt sich ganz auf das Material ein, seine Maserung, seine Vollkommenheit und auch seine unvollkommenen Strukturen, die sie zum Dialog mit dem Material herausfordern.


 
Mit Klüpfel und Schnitzeisen arbeitet sie sich in das Holz hinein und entwickelt eine Formensprache der Metamorphose von Entstehen und Vergehen, die den Bewegungen und dem Rhythmus des Materials selbst folgt. Bestechend organisch leiten so scharfe Konturen und Grade zu samtweichen Oberflächen, Rundungen und weichem Faltenwurf über. 

Die Künstlerin spricht über ihre Arbeit

"In der klassischen Bildhauerei, wie ich es auf der Holzbildhauerschule in München gelernt habe, verwendet man gut abgelagertes Holz; gegebenenfalls werden mehrere Holzbohlen miteinander verleimt, um die dem Modell entsprechend benötigte Größe des Holzklotzes zu bekommen. Dann arbeitet man die Skulptur dem Modell entsprechend, welches man vorher in Ton angefertigt und eventuell auch in Gips gegossen hat, mit verschiedenen Schnitzeisen heraus. 

Gerne wird Lindenholz verwendet, da es sich von der Struktur seiner Poren und Dichte besonders gut bearbeiteten lässt und sich das helle Holz im Hintergrund hält, wodurch aufwendige, feine Schnitzereien, wie Faltenwürfe an Gewändern oder ein zartes Gesicht eines Putto bestens zur Geltung kommen. 


Um das „einfache“ Holz noch zu veredeln, hat man die Figur auch gerne gefaßt – ein spezieller Auftrag von Farben - oder vergoldet. 

Nach meiner Ausbildung habe ich mich dann immer mehr gelöst von einer traditionellen Herangehensweise und verwende den Holzstamm als Ganzes. 

Es fängt eigentlich immer damit an – was sehe ich in diesem speziellen Stück  Holz, was steckt da drin? Manchmal fertige ich ein Tonmodell an, manchmal auch nur ein paar Skizzen und dann freue ich mich, wenn die eigentliche Arbeit beginnt – das Herausarbeiten mit Klüpfel und Schnitzeisen, das Herumgehen um das Holz, um die verschiedenen Aspekte von allen Seiten zu immer wieder zu erfassen."